Hirsig, Cornel; Flessa, Fabienne (2026). Der Ansatz der Neuen Autorität im Spannungsfeld von Elternrecht, Erziehungsauftrag der Volksschule, staatlichem Bildungsauftrag und Kindeswohl - Rechtliche Überlegungen und Leitlinien als Handreichung für konkrete Umsetzungskonzepte an Volksschulen. peDocs, pp. 1-22 DIPF Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation. 10.25656/01:36411
|
Text
Hirsig_Flessa_2026_RechtlicheGrundlagen_NeueAutorit_t.pdf - Published Version Available under License Creative Commons: Attribution-Noncommercial-Share Alike (CC-BY-NC-SA). Download (2MB) | Preview |
Die Transferierung ausserschulisch gewachsener Erziehungskonzepte in das öffentliche Schulwesen erfolgt in der Praxis häufig ohne vorherige systematische Prüfung ihrer rechtlichen Zulässigkeit und Systemkompatibilität. Die Grundfrage, unter welchen verfassungs- und verwaltungsrechtlichen Bedingungen schulfremde Handlungsansätze im Schulkontext überhaupt verankert werden dürfen, bleibt in Schulentwicklungsprozessen weithin unreflektiert. Dies zeigt sich exemplarisch am Paradigma der Neuen Autorität: Eine Kurzanalyse der einschlägigen Ratgeberliteratur belegt eine erhebliche Lücke bezüglich der Berücksichtigung rechtlicher Normen.
Der vorliegende Beitrag untersucht am Referenzrahmen des bernischen Volksschulrechts die normativen Voraussetzungen und Grenzen der Implementierung ausserschulischer Konzepte. Ausgangspunkt bildet die juristische Aufarbeitung des Spannungsverhältnisses zwischen dem vorrangigen verfassungsrechtlichen Elternrecht, dem staatlichen Bildungsauftrag und dem übergeordneten Kindeswohl. Rechtsdogmatisch wird begründet, dass dem Staat kein originäres Erziehungsrecht zukommt; der schulische Erziehungsauftrag erweist sich vielmehr als funktional abgeleitete, komplementäre Kompetenz innerhalb eines grundrechtsgeprägten öffentlich-rechtlichen Sonderverhältnisses. Die Schule konstituiert sich mithin als rechtsstaatlich eingehegtes Kooperationsmodell. Aus der rechtlichen Matrix werden drei zentrale Kriterien und Leitfragen abgeleitet, mit denen konkrete Handlungselemente der Neuen Autorität auf ihre Rechtskonformität geprüft und nach Schulzyklen sowie Akteursgruppen differenziert werden können.
Rechtliche Normen fungieren dabei nicht als blosse Innovationshemmnisse, sondern als verbindlicher Orientierungsrahmen für die strategische und pädagogische organisationale Ausgestaltung der Schulentwicklung. Der Beitrag schlägt eine Brücke zwischen pädagogischer Schulentwicklung und rechtlicher Reflexion und schafft das Fundament für eine rechtskonforme, kontextadäquate Verankerung und professionell gestaltete Implementierung innovativer Erziehungskonzepte wie der Neuen Autorität an Volksschulen.
Item Type: |
Journal Article (Original Article) |
|---|---|
PHBern Contributor: |
Flessa, Fabienne |
Publisher: |
DIPF Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation |
Language: |
German |
Submitter: |
Fabienne Flessa |
Date Deposited: |
07 Oct 2026 10:56 |
Last Modified: |
07 Oct 2026 10:56 |
Publisher DOI: |
10.25656/01:36411 |
Related URLs: |
|
PHBern DOI: |
10.57694/8163 |
URI: |
https://phrepo.phbern.ch/id/eprint/8163 |
